Ahmed Kamel: Paradies - Spirale

 

Spirale

Video-Installation (2-Kanal-Videos) / Zeichnungen-Installation, 2010

Eine Spirale entsteht oft aus einem kleinen Punkt, der sich dramatisch bewegt und wie ein Feuer oder ein Schneeball wächst. Die Spirale kann sich wie Krebs verflechten und ausbreiten oder aber systematisch erscheinen. In jedem Fall handelt es sich um ein komplexes Gebilde. Konflikte zwischen seinen Linien sind nicht einfach zu lösen, egal ob es sich um einen inneren oder einen externen, vielschichtigen Konflikt handelt. Diese fließende Dynamik des Konflikts sucht ständig nach einer eigenen Eskalation, die zu seinem Kern oder zu einer undefinierten Position innerhalb seiner endlosen Möglichkeiten führt.

 

Das Buch 

Zeichnungen auf Papier, Abfolge als Loop auf Monitor, 2014

Das Buch verkündet, beschreibt, erklärt, leitet an und stellt gelegentlich Fragen. Es gibt Bücher, die bleiben und andere, die auf Dauer verschwinden, verzerrt, fehlinterpretiert oder sinnverändert werden. Meistens ist ein Buch Symbol für eine Orientierung oder Mittel zur Überzeugung, in Teilen oder Gänze. Der Inhalt eines Buches beeinflusst die Ausrichtungen, die wir unserem Leben geben, unsere Lebensweisen, unsere Gedanken über das Leben und unsere Vorstellungen von dem Leben nach dem Tod. Das Buch mag eine Idee beinhalten, die zu einer Überzeugung oder einem Glauben und damit zu einer Wahrheit wird. 
 
Das Buch bewegt sich in der Luft, fällt in die rechte oder linke Hand oder aber bleibt im Himmel hängen, es trägt die Namen und bewegt sich durch Raum und Zeit.

Repetitive Einheiten

Stift auf Papier, 29,7 x 21 cm, 2012-2014

„Ich wünschte mir, nach seinem Tod seine Stimme zu hören. Gibt es überhaupt Aufzeichnungen?“

Die sich wiederholenden, nicht identischen Einheiten bestehen aus einer Anzahl von Zeichnungen, kontemplativ gemalt. Expressives Zeichnen ist die Stenographie der Phasen künstlerischen Schaffens. Keine Trennung zwischen Wunsch und Schaffen, außer zwischen dem Stift und der weißen Oberfläche des Papiers. Für mich ist dies das Medium, dem ich mich am engsten verbunden fühle, der für mich “direkteste Weg” um Gedanken und Gefühle auszudrücken.

Der „Lebensapparat“ zeichnet die Lebenslinie meistens horizontal auf. Es geht um die Wiederholung, es geht um Herz und Atem, es geht um Sprache und Verständnis, es geht um Erdbeben und Landschaft, es geht um Stillstand und Bewegung, es geht um Statistiken und Beziehungen, es geht um Schlaf und Rhythmus, es geht um Licht und Dunkelheit, es geht um den „Lebensapparat“.

Durch die Geburt verbindet sich die Seele mit dem Körper und verlässt diesen nach einer Lebensspanne durch das Sterben wieder. Dieses Muster wiederholt sich. Im Falle eines Todes zünden Menschen Kerzen an und stellen diese auf das Grab, um Wärme zu stiften, andere sprühen Wasser auf das Grab, um der Seele die Hitze zu nehmen.

 

 

 

Über Das Paradies

Video, 22 min, 2014

Das Paradies kann eine wunderbare Hoffnung, ein bedingtes Versprechen, eine notwendige Alternative oder eine Illusion sein. Es steht für die Hoffnung auf Gerechtigkeit, die Sehnsucht nach Ruhe und Frieden stellt sich der Angst vor dem Nichts entgegen. Die unterschiedlichen Vorstellungen vom Leben im Jenseits beeinflussen seit jeher in allen Kulturen die Lebensweisen.

Dieser Film basiert auf verschiedenen Interviews von Protagonisten aus Ägypten und Deutschland. Die unwissenschaftlich gesammelte Aussagen und Zeugnisse stammen von Personen aus verschiedenen kulturellen Strömungen und erzählen von deren Vorstellungen vom Paradies oder von dem, was nach dem Tod passiert. Der collageartige Film zeigt auch Szenen von zwei Pilgerreisen, die ich selbst unternommen habe. Eine Pilgerfahrt nach Mekka und eine auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostella. Diese Art von Reisen, die schon vor der Entstehung der drei Buchreligionen existierten, stehen für einen Weg zu Gott, gepaart mit dem Wunsch, einen Preis zu bekommen: das Paradies. 

 

Die zugrundeliegende Idee:

Der schriftlichen Überlieferung zufolge teilten die alten Ägypter ihr Land geografisch in zwei Hälften, die Ost- und die Westseite, deren Trennungslinie der Nil war. Sie wählten die Richtung des Sonnenaufgangs als Ausrichtung für alles, was das tägliche Leben betrifft, während die Richtung des Sonnenuntergangs für den Bau von Gräbern und Tempeln bestimmt war. Diese Bauten, für das Leben nach dem Tod bestimmt, wurden mit langwährendem Material realisiert. Man glaubte, dass sie auch das Jahr zweiteilten: Die eine Jahreshälfte um das Land zu bewirten, zu ernten und die Ernte einzulagern. Die andere Hälfte, um das zu bauen, was sie für das Leben nach dem Tod benötigten.

Über das Leben im Jenseits gibt es zwei Thesen: Die eine besagt, dass die alten Ägypter ihr Wissen aus den himmlischen Botschaften nach dem Eintreffen von Adam und Eva auf der Welt bezogen, und sie davon zum Glauben an Wiederaufstehung, das Jüngste Gericht und Ewigkeit inspiriert wurden. Die andere besagt, dass die alten Ägypter selbst die Idee des Lebens im Jenseits kreiert haben.

Ausstellungsansichten

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